Whaling Transparency

Seit 2015 führt der Hard To Port e.V. seine Kampagne Whaling Transparency in Island durch. Ziel ist es, die kommerziellen Walfangaktivitäten des Landes sichtbar zu machen, die lange als „unsichtbare Industrie“ galten. Jahrzehntelang entzogen sich Islands Walfangunternehmen jeglicher ernsthaften Kontrolle – bis Hard To Port begann, ihre Aktivitäten akribisch zu dokumentieren und durch Medienarbeit öffentlich zu machen.

Schon wenige Jahre nach Beginn der Kampagne veränderte dieser Ansatz die Debatte über den Walfang in Island spürbar.

Zwei ungenau abgefeuerte Harpunen lassen darauf schliessen, dass dieser schwangere Finnwal lange leiden musste. © Arne Feuerhahn | Hard To Port
Die Crew der Kampagne 2015 überwacht und dokumentiert die Anlandung von Finnwalen.
© Boris Niehaus | Hard To Port

Die Anfangsjahre

Im Jahr 2015 machte sich ein kleines Team unserer jungen Organisation – bestehend aus Vereinsleitung, einem Juristen, einer Tierärztin und einem Filmemacher – daran, die bevorstehende Jagdsaison auf Finnwale ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Unsere Arbeit in diesem ersten Jahr setzte sich aus landgestützter Foto- und Videodokumentation und friedlichen Protestaktionen zusammen – in jenem Sommer erschienen unsere Bemühungen auf der Titelseite der größten Zeitung Islands. Die Kampagne wurde von der Produktionsfirma Blackrabbit Images begleitet, deren Dokumentarfilm 184 unsere Arbeit zusammenfasste und im folgenden Jahr veröffentlicht wurde. Der Film hatte Premiere in Reykjavík und wurde im Frühjahr 2016 in mehreren deutschen Städten gezeigt. Die Dokumentation stärkte unser Profil und ermöglichte es dem Verein, unsere Bemühungen in den folgenden Jahren deutlich auszubauen.

In den Jahren 2016 und 2017 wurde in Island keine Jagd auf Finnwale gemacht. Unser Verein verlagerte den Kampagnen-Fokus auf die Bejagung von kleineren Zwergwale, in küstennahen Gewässern. 2017 organisierten wir einen 46-stündigen Protest vor dem Fischereiministerium. Kurz vor Abschluss unserer Demonstration besuchte die damalige Ministerin Þorgerður Katrín Gunnarsdóttir den Protest vor ihrem Ministerium.

Durchschossener Schädel eines harpunierten Nördlichen Zwergwals © Arne Feuerhahn | Hard To Port
Drei Harpunen für die Jagd auf Finnwale liegen an Deck eines Walfangschiffs. © Arne Feuerhahn | Hard To Port

Der Skandal vor dem Skandal

2018 bereitete Hvalur hf., das einzige Unternehmen in Island, das Finnwale jagt, erneut seine beiden Schiffe sowie die Walfangstation auf die bevorstehende Sommersaison vor. In diesem Jahr stießen Aktivisten einer britischen Meeresschutzorganisation in Island hinzu und übernahmen unseren Ansatz der Dokumentation während der Anlandung von Finnwalen.

Im Juli und erneut im August deckte unser Team die „versehentliche“ Tötung zweier seltener Hybridwale auf – Kreuzungen zwischen Finn- und Blauwalen. Besonders die Entdeckung der Tötung von „Wal #22“ löste sowohl in Island als auch international einen Skandal aus. Isländische Experten führten genetische Tests durch, da die Befürchtung bestand, ein geschützter Blauwal sei getötet worden.

Mit Unterstützung internationaler Partnerorganisationen erzeugte die Aufdeckung erhebliche mediale Aufmerksamkeit. Für mehrere Tage richtete die globale Öffentlichkeit ihr Augenmerk auf Islands Walfangprogramm, und selbst Ministerpräsidentin Katrín Jakobsdóttir wurde bei einem NATO-Treffen öffentlich zu dem Vorfall befragt.

Der Unterkiefer eines seltenen Hybridwals wird in der Walfangstation zerlegt. © Arne Feuerhahn | Hard To Port
Ein Crewmitglied arbeitet an einer Harpunenkanone für die Finnwaljagd. © Arne Feuerhahn | Hard To Port

Wie sich die öffentliche Meinung zum Walfang änderte

Während der COVID-19-Pandemie verstummten die Walfangkanonen, und bis 2022 blieb die Finnwaljagd ausgesetzt. Im Frühjahr dieses Jahres machte sich unser Team erneut bereit. Mit unverminderter Energie setzten wir unsere Arbeit fort. Schon früh in der Jagdsaison 2022 deckten wir schwerwiegende Verstöße gegen Tierschutzstandards auf, darunter defektes Walfangequipment. Unsere Pressemitteilungen fanden große Resonanz bei isländischen Journalisten und rüttelten die Öffentlichkeit auf.

Unser Team dokumentierte und veröffentliche schwerwiegende Verstöße gegen den Tierschutz.
© Arne Feuerhahn | Hard To Port
Ein nahezu vollständig entwickeltes Finnwalkalb wurde aus dem Körper der toten Mutter entfernt und entsorgt. © Arne Feuerhahn | Hard To Port

Ein entscheidender Wendepunkt folgte, als die für den Walfang zuständige Fischereiministerin Svandís Svavarsdóttir weitreichende Änderungen ankündigte: Von nun an mussten sämtliche Jagdaktivitäten auf See per Video dokumentiert werden. Zuständig dafür sind die Isländische Veterinärbehörde (MAST) und die Fischereidirektion (Fiskistofa). Eine isländische Journalistin brachte die Bedeutung treffend auf den Punkt: „Eure Arbeit ist der Grund, warum die Regierung endlich aufwacht.“

Mit dieser geschaffenen Transparenz war eine zentrale Forderung unserer Kampagne erfüllt – die bisher unsichtbare Industrie hatte ihre Deckung verloren.

Detaillierte Dokumentation der angelandeten Finnwale für die nachfolgende Medienarbeit.
© Arne Feuerhahn | Hard To Port
Zwei Walfangschiffe in Islands sogenannten „Wal-Fjord“ nach Wiederaufnahme der Jagd im September 2023. © Boris Niehaus | Hard To Port

2023 führte die akribische Dokumentation zu einem belastenden Bericht. Lokale Initiativen mobilisierten eine starke Oppositionsbewegung, während Künstler, Prominente, Wissenschaftler und Politiker die Forderung nach einem dauerhaften Ende des Walfangs unterstützten. Trotz Bemühungen des Unternehmens, Jagdabläufe und Equipment zu verbessern, verhängte das Ministerium aufgrund des „MAST-Berichts“ und einer unabhängigen Experteneinschätzung ein vorübergehendes Jagdverbot.

Die Walfangindustrie war entblößt, und die Stimmen für den Schutz der Wale wurden lauter denn je.

Ein erlegter Finnwal überlebte nach einem Harpunentreffer in den Kopf etwa 30 Minuten; der Vorfall wurde von einer isländischen Anwaltskanzlei geprüft. © Boris Niehaus | Hard To Port
Das Fangschiff Hvalur 8 kam in den frühen Morgenstunden mit dem ersten Finnwal der verkürzten Jagdsaison 2023 zurück zur Station.
© Boris Niehaus | Hard To Port

Fortsetzung folgt…

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