Die Zeichen stehen auf Walfang

Das isländische Walfangunternehmen Hvalur hf. hat in dieser Woche mit den Vorbereitungen für eine erneute Jagd auf gefährdete Finnwale begonnen.

Wie das Unternehmen gegenüber der Zeitung Morgunblaðið mitteilte, soll die Jagd nach zwei ausgesetzten Jahren im kommenden Sommer wieder aufgenommen werden.

Das Fangschiff Hvalur 9 befindet sich derzeit im Alten Hafen von Reykjavík im Trockendock.

Das isländische Institut Hafrannsóknastofnun veröffentlichte einen Tag nach den Medienberichten eine Empfehlung zur Fangquote. Demnach dürfen im Gebiet zwischen Ostgrönland und Westisland 116 Finnwale gejagt werden. Für das östliche Gebiet zwischen Island und den Färöer-Inseln wurden 34 Tiere empfohlen. Diese Zone liegt jedoch außerhalb der üblichen Jagdgebiete von Hvalur hf.

Islands Marine and Freshwater Research Institute „Hafrannsóknastofnun „. Photo: © Arne Feuerhahn | Hard To Port e.V.

Gemäß den im Jahr 2024 genehmigten Lizenzen ist es dem Unternehmen zudem erlaubt, bis zu 20 % der nicht ausgeschöpften Quote aus der vorherigen Saison in das Folgejahr zu übertragen.

Wir vom Hard To Port e.V. sind von dieser Entwicklung enttäuscht, wenn auch nicht völlig überrascht. Unsere umfassende Dokumentationsarbeit an Land sowie Beobachtungen isländischer Behörden auf See belegten wiederholt erhebliche Verstöße gegen geltende Tierschutzgesetze. In der verkürzten Saison 2023 führte dies zur vorübergehenden Festsetzung eines der Schiffe des Unternehmens sowie zur Verhängung eines Bußgeldes wegen entsprechender Verstöße.

Seit 2014 setzt sich der Hard To Port e.V. für ein Ende der aus unserer Sicht grausamen und sinnlosen Jagd auf die Meeressäuger rund um Island ein. Dank intensiver Dokumentation und zunehmender öffentlicher Kritik wurde das Regelwerk zum Finnwalfang inzwischen überarbeitet und verschärft. Die zuständige Ministerin Hanna Katrín Friðriksson hat zudem ein mögliches Verbot des Walfangs für die zweite Jahreshälfte in Aussicht gestellt. Dieser vielversprechenden Entwicklung versucht das Walfangunternehmen gemeinsam mit politischen Unterstützern nun offenbar entgegenzuwirken.

Das Walfangschiff Hvalur 9 im Trockendock. Photo: © Arne Feuerhahn | Hard To Port e.V.

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Islands scheidender Premierminister erteilt umstrittene Walfanglizenzen

Islands Premierminister und momentaner Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei der geschäftsführenden Regierung, Bjarni Benediktsson, hat trotz großer Ablehnung in Island und seiner familiären Verbindungen zum Walfangunternehmen Hvalur hf., neue Fanglizenzen für die nächsten 5 Jahre vergeben.

Die Lizenzen erlauben es dem Unternehmen Tjaldtangi ehf., bis zu 217 nördliche Zwergwale jährlich zu jagen. Dem Unternehmen Hvalur hf. von Kristján Loftsson, Islands bekanntestem Walfänger, das in den letzten Jahren wiederholt wegen Verstößen gegen den Tierschutz in der Kritik stand, wird erlaubt 161 als gefährdet eingestufte Finnwale in westlichen Gewässern innerhalb Islands AWZ, zwischen Ostgrönland und der isländischen Westküste zu jagen. 48 weitere Tiere dürfen in östlichen Gewässern zwischen Island und den Färöer-Inseln gejagt werden, jedoch liegt dieses Gebiet außerhalb der Jagdreviere des Unternehmens, dass seine Walfangstation Nahe der Hauptstadt Reykjavík betreibt.

Die Nachricht der last-minute Entscheidung des scheidenden Ministers überschattete kurzfristig die laufenden Koalitionsgespräche zur Bildung der nächsten isländischen Regierung, nachdem die konservative Unabhängigkeitspartei unter Benediktssons Führung eine historische Wahlniederlage erlitten hatte.

Wahlwerbung der Sozialdemokraten in Island vor dem Konzerthaus Harpa in Reykjavík. Foto: © Arne Feuerhahn | Hard To Port

Beide Walfangschiffe des Unternehmens Hvalur hf. werden aktuell im Alten Hafen von Reykjavík instand gesetzt. Bauarbeiten an der Walfangstation nördlich der Hauptstadt deuten darauf hin, dass eine kritische Überprüfung und Dokumentation durch Meeresschutzorganisationen wie dem Hard To Port e.V. in der Zukunft spürbar erschwert werden könnte.

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Auszeichnung für investigative Arbeit des Hard To Port e.V.

Hard To Port wurde von der isländischen Veganen Gesellschaft mit dem 2022 Incentive Award für „herausragende und effektive Bemühungen, die Aufmerksamkeit der Medien und Behörden auf den Walfang in Island zu lenken“ ausgezeichnet.

© Arne Feuerhahn | Hard To Port

Wir sind sehr glücklich und fühlen uns geehrt, dass unsere investigative Arbeit mit dieser Auszeichnung positiv gewürdigt und geschätzt wird.

Vielen Dank an Samtök grænkera á Íslandi und herzlichen Glückwunsch an die anderen 2022 Preisträger und Preisträgerinnen.

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Meeresschützer fordern die Aussetzung der Walfangsaison

Die Anlandung eines weiblichen Finnwals in den Morgenstunden des 19. Juli hat einen weiteren Fall von fehlerhaftem Walfangequipment während der diesjährigen Jagdsaison offenbart. Einer der Wale, die vom Harpunschiff Hvalur 9 an Land gebracht wurden, erregte schnell die Aufmerksamkeit von Meeressschützern, die die Verarbeitung der großen Meeressäuger an der Walfangstation in Hvalfjörður überwachen.

Dies ist das zweite Mal innerhalb von zwei Wochen, dass unser Team einen Fall einer nicht gezündeten Harpunengranate dokumentiert hat. Der Schütze des Harpunenschiffs Hvalur 9 hat es in diesem Fall eindeutig versäumt, einen tödlichen ersten Schuss abzugeben. Eine zweite Harpune drang in den Rücken des Tieres ein. Wir müssen davon ausgehen, dass ein zweiter Schuss notwendig war, um das lange Leiden des Tieres zu beenden„, sagt Arne Feuerhahn, Vorstandsvorsitzender der Meeresschutzorganisation Hard To Port e.V. .

Eine Harpune samt nicht gezündetem Sprengkopf wird aus dem weiblichen Finnwal geschnitten. © Arne Feuerhahn | Hard To Port
Eine zweite Harpune kommt in dem geschlachteten Finnwal zum Vorschein. © Arne Feuerhahn | Hard To Port

„Neben den sichtbaren Harpuneneinschlägen wirft eine weitere, viel kleinere Wunde oberhalb der rechten Brustflosse des Tieres Fragen auf. Auf den ersten Blick scheint es sich um ein Einschussloch zu handeln. Wir werden eine zweite Meinung dazu einholen, bevor wir eine Schlussfolgerung ziehen können“, so Feuerhahn weiter.

Walfang-Protagonist Kristján Loftsson untersuchte die fehlerhafte erste Harpune selbst. Der Hvalur hf. Geschäftsführer schraubte die Harpunengranate im Beisein einiger seiner Mitarbeiter ab und nahm sie beiseite.

Penthritgranaten müssen im Brustkorb, in der Brustwirbelsäule, im Nacken oder im Gehirn detonieren, um einen schnellen oder sofortigen Tod des Tieres zu gewährleisten. Wenn der Sprengsatz nicht explodiert, muss die Harpunenkanone in der Regel für einen zusätzlichen Schuss nachgeladen werden.

„Wir sind Zeugen und Dokumentatoren von offensichtlichen und wiederholten Verstößen gegen das isländische Tierschutzgesetz. Unser Foto- und Filmmaterial zeigt deutlich, dass bei diesen Jagden nicht alle Wale ’schnell und schmerzlos‘ getötet werden. Wir fordern die Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft auf, die Jagdsaison auszusetzen, bis diese Fälle ordnungsgemäß untersucht werden können.“ so Feuerhahn.

Die Organisation Hard To Port hat die meisten Finnwalanlandungen der Saison 2022 dokumentiert und wiederholt auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen, die darauf hindeuten, dass der Walfang nicht immer mit den geltenden Tierschutzbestimmungen konform ist. Am 4. Juli 2022 wurde der erste Fall einer fehlerhaften Harpunengranate dokumentiert und der Öffentlichkeit und den Medien mitgeteilt.

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