Meeresschützer fordern die Aussetzung der Walfangsaison
20. Juli 2022
Meeresschützer fordern die Aussetzung der Walfangsaison
Die Anlandung eines weiblichen Finnwals in den Morgenstunden des 19. Juli hat einen weiteren Fall von fehlerhaftem Walfangequipment während der diesjährigen Jagdsaison offenbart. Einer der Wale, die vom Harpunschiff Hvalur 9 an Land gebracht wurden, erregte schnell die Aufmerksamkeit von Meeressschützern, die die Verarbeitung der großen Meeressäuger an der Walfangstation in Hvalfjörður überwachen.
„Dies ist das zweite Mal innerhalb von zwei Wochen, dass unser Team einen Fall einer nicht gezündeten Harpunengranate dokumentiert hat. Der Schütze des Harpunenschiffs Hvalur 9 hat es in diesem Fall eindeutig versäumt, einen tödlichen ersten Schuss abzugeben. Eine zweite Harpune drang in den Rücken des Tieres ein. Wir müssen davon ausgehen, dass ein zweiter Schuss notwendig war, um das lange Leiden des Tieres zu beenden„, sagt Arne Feuerhahn, Vorstandsvorsitzender der Meeresschutzorganisation Hard To Port e.V. .


„Neben den sichtbaren Harpuneneinschlägen wirft eine weitere, viel kleinere Wunde oberhalb der rechten Brustflosse des Tieres Fragen auf. Auf den ersten Blick scheint es sich um ein Einschussloch zu handeln. Wir werden eine zweite Meinung dazu einholen, bevor wir eine Schlussfolgerung ziehen können“, so Feuerhahn weiter.
Walfang-Protagonist Kristján Loftsson untersuchte die fehlerhafte erste Harpune selbst. Der Hvalur hf. Geschäftsführer schraubte die Harpunengranate im Beisein einiger seiner Mitarbeiter ab und nahm sie beiseite.
Penthritgranaten müssen im Brustkorb, in der Brustwirbelsäule, im Nacken oder im Gehirn detonieren, um einen schnellen oder sofortigen Tod des Tieres zu gewährleisten. Wenn der Sprengsatz nicht explodiert, muss die Harpunenkanone in der Regel für einen zusätzlichen Schuss nachgeladen werden.
„Wir sind Zeugen und Dokumentatoren von offensichtlichen und wiederholten Verstößen gegen das isländische Tierschutzgesetz. Unser Foto- und Filmmaterial zeigt deutlich, dass bei diesen Jagden nicht alle Wale ’schnell und schmerzlos‘ getötet werden. Wir fordern die Ministerin für Fischerei und Landwirtschaft auf, die Jagdsaison auszusetzen, bis diese Fälle ordnungsgemäß untersucht werden können.“ so Feuerhahn.
Die Organisation Hard To Port hat die meisten Finnwalanlandungen der Saison 2022 dokumentiert und wiederholt auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen, die darauf hindeuten, dass der Walfang nicht immer mit den geltenden Tierschutzbestimmungen konform ist. Am 4. Juli 2022 wurde der erste Fall einer fehlerhaften Harpunengranate dokumentiert und der Öffentlichkeit und den Medien mitgeteilt.